Die Geschichtsphilosophie und poetische Geschichtsschreibung bei Friedrich Hölderlin
Chronological data
Date of first publication2026-04-17
Date of publication in PubData 2026-04-17
Date of defense2025-04-16
Language of the resource
German
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Abstract
Spätestens seit Heideggers Deutungen sind die Hymnen und Elegien des späten Hölderlin in das Zentrum philosophischer Untersuchungen gerückt. Heideggers Bezugnahme auf Hölderlin wurzelt in seiner umfassenden Kritik der neuzeitlichen Vernunft. Gerade Hölderlins Naturbegriff lässt sich verstehen als Verurteilung jener Entwicklung, in der der Mensch sich zum Herrscher über die Natur und zur Herrschaft über den Menschen erhoben hat. Heideggers Kritik an Rationalität entspricht genau dem Kern der Geschichtsphilosophie der Kritischen Theorie, wie sie sich am wirksmächstigsten in der "Dialektik der Aufklärung" niedergeschlagen hat. Diese kritischen Auseinandersetzungen mit der herkömmlichen Metaphysik, vor allem mit Hegels Philosophie, aktualisierten die Bedeutung des Spätwerks Hölderlins. Die vorliegende Arbeit wendet sich der Frage zu, ob Hölderlin mit dem Konzept einer "höheren Aufklärung" eine zum Deutschen Idealismus alternative Geschichtsphilosophie und Theorie von Religion und Mythos entwickelte. Die Arbeit untersuchte den Entwicklungsweg der geschichtsphilosophischen Ansätze der Hymnen und Elegien Hölderlins im Kontext der aufklärerischen Diskurse der Geschichtsphilosophie und Geschichtsschreibung. Hierbei stehen nicht die Elegien und Hymnen aus dem Spätwerk im Vordergrund der Untersuchungen, sondern die Vor- und Hinentwicklung der Gedankenentwürfe zu diesen Hymnen und Elegien. Um diese gedankliche Entwicklung zu rekonstruieren, werden ausgewählte poetische Projekte Hölderlins herangezogen, die den Zeitraum von Hölderlins früher Tübinger Zeit bis hin zum Spätwerk abdecken. Das Ergebnis der Arbeit zeigt, dass das in den Elegien und Hymnen zugrunde liegende dialektische Geschichtsmodell des späten Hölderlin einerseits eine Überwindung des linearen Fortschrittsdenkens bedeutet und andererseits ein ästhetischer Ansatz der Geschichtsdarstellung ist, der der Geschichtsschreibung eine mythisch-religiöse Fundierung zuspricht. Aus dem Ergebnis folgt, dass Hölderlins geschichtsphilosophische Ansätze seiner poetischen Projekte nicht nur in der Denktradition des Deutschen Idealismus gelesen werden können, sondern auch als poetische Darstellungen der Geschichte vor dem Hintergrund des Durchbruchs des historischen Denkens bei Herder. Hölderlin überwindet daher mit Herder das aufklärerische Poetik-Konzept und Aristoteles' Unterscheidung zwischen Dichtung und Geschichtsschreibung durch die poetische Ästhetik.
Keywords
Hölderlin, Friedrich; Geschichtsphilosophie; Poetische Geschichtsschreibung; Aufklärung; Mythische Religion
Grantor
Leuphana University Lüneburg
Faculty / department
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DDC
830 :: Literaturen germanischer Sprachen; Deutsche Literatur
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