Journal ArticleParallel publicationPublished versionDOI: 10.48548/pubdata-3061

Wissen(schaft)sskepsis: Aufklärung im verschwörungsideologischen Souveränismus

Science scepticism: Enlightenment in conspiracy ideological sovereignism

Chronological data

Date of first publication2025-06-30
Date of publication in PubData 2026-03-03

Language of the resource

German

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Variant form of DOI: 10.1007/s11614-025-00608-3
Kretschmann, A., Rowitz, L. (2025). Wissen(schaft)sskepsis: Aufklärung im verschwörungsideologischen Souveränismus. Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 50(1), Article 28.
Published in ISSN: 1862-2585
Österreichische Zeitschrift für Soziologie

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Abstract

Verschwörungstheorien kommt gegenwärtig eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit zu, da sie hegemoniale Positionen im politischen Diskurs mit konkurrierenden Wissensgehalten fundamental opponieren. Dabei wird ihnen teilweise ein wissenschaftsfeindlicher, -leugnender oder skeptischer Charakter attestiert. Welche Ausprägungen jenes Wissen hat, das wissenschaftlich breit geteilten Auffassungen diametral entgegensteht und welches Verhältnis es konkret zur Wissenschaft aufweist, bleibt in empirischer Hinsicht jedoch noch weitgehend unbeantwortet. Am Beispiel des verschwörungsideologischen Souveränismus – besser bekannt unter der Bezeichnung ‚Reichsbürger‘ – wird im Beitrag anhand einer ethnografischen Studie untersucht, welches Wissen konkret mobilisiert wird und welche Bedeutung diesem zukommt. Im Beitrag wird die These vertreten, dass der verschwörungsideologische Souveränismus, obgleich er heterodoxes Wissen hervorbringt, keineswegs als wissenschaftsfeindlich verstanden werden kann. Vielmehr orientiert sich die Szene in ihrem Selbstverständnis und ihren Formen des Wissenserwerbs selbst an dem gesellschaftlich anerkannten System (empirisch überprüfbarer) Wahrheiten: der Wissenschaft. Dies verleiht ihr ein Fundament, von dem aus sie die eigenen Überzeugungen, inklusive ihre politische Vision eines autoritären Volksgemeinschaftsprojekts, als unumstößliche Wahrheit begreifen und vom bloßen Glauben abgrenzen kann. Letztlich betreibt sie damit jedoch ein reduktionistisches Verständnis von aufgeklärter Wissenschaftlichkeit.

Conspiracy theories have increasingly garnered public attention due to their alternative knowledge claims with which they oppose hegemonic political discourse. Scholarship often characterizes such theories as anti-scientific, science-skeptical, or generally denying science. However, the characteristics of conspiracy theory knowledge and their relationship to science still lack empirically saturated insights. Using the example of conspiracy ideological sovereignism in Germany—better known as Reichsbürgers —and basing this analysis on an ethnographic study, the article examines the mobilized knowledge of Reichsbürgers and researches its social meaning. The argument proposes that conspiracy ideological sovereignism, despite its production of heterodox knowledge, is not hostile to science as a whole. Rather, in its self-image and its appropriations of knowledge, it refers to the social system of (empirically verifiable) truths, namely science. This article acknowledges that even though Reichsbürgers adopt a reductionist understanding of enlightened science, these references serve as a basis for them to frame their own ideology (which includes the vision of an authoritarian regime) as irrevocable truth and thus distinct from mere belief.

Keywords

Reichsbürger; Verschwörungsideologischer Souveränismus; Wissenschaftsskepsis; Sovereign Citizens; Conspiracy Sovereignism; Science Skepticism

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