DissertationFirst publicationDOI: 10.48548/pubdata-3226

Alle anders, alle gleich? – Vorstellungen zu biologischen Phänomenen und Metaphernverwendung von Schüler*innen unterschiedlicher Erstsprachen

Chronological data

Date of first publication2026-04-22
Date of publication in PubData 2026-04-22
Date of defense2026-02-11

Language of the resource

German

Related external resources

Related part DOI: 10.11576/ZDB-6573
Sowinski, R., Hofer, E., & Abels, S. (2024). Metaphern zur Klärung biologischer Phänomene. Zeitschrift für Didaktik der Biologie (ZDB) - Biologie Lehren und Lernen, 28, 56–75.
Related part DOI: 10.11576/zdb-7338
Sowinski, R., Hofer, E., & Abels, S. (2025). Alles nur ein Kampf? Zeitschrift für Didaktik der Biologie (ZDB) - Biologie Lehren und Lernen, 30(1), 25–48.

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Abstract

Schüler*innenvorstellungen gelten als Ausgangspunkt für fachliches Lernen, da dieses entsprechend dem moderaten Konstruktivismus und der Conceptual Change Theorie als aktiver Prozess verstanden wird, bei dem Schüler*innen anknüpfend an ihre Vorerfahrungen fachliche Konzepte aufbauen. Im Kontext von Vorstellungen wird die Bedeutung von Metaphern hervorgehoben. Entsprechend der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens werden verkörperte Erfahrungen auf bislang unbekannte bzw. abstrakte Phänomene übertragen, um sich diese kognitiv zu erschließen. Hierbei wird stets auf die Relevanz individueller Erfahrungen und die sprachlich-kulturelle Abhängigkeit von Metaphern verwiesen. Studien der deutschsprachigen Vorstellungsforschung fokussierten bislang das fachliche Lernen hauptsächlich auf einer inhaltlichen Ebene für Schüler*innen als Gesamtheit. Ein Fokus auf verschiedene Diversitätsdimensionen der Schüler*innen lag nicht vor. Diesem Desiderat nimmt sich die vorliegende Dissertation an und untersucht, gerahmt vom Modell der Didaktischen Rekonstruktion (MDR), Vorstellungen und darin enthaltene Metaphern von Gesamtschüler*innen verschiedener Erstsprachen zu den Themen Laubzersetzung und Immunreaktion bei einer Grippe. Für die fachliche Klärung wurden Vorstellungen in zwei fachwissenschaftlichen Lehrbüchern und von vier Hochschuldozierenden analysiert. Hinsichtlich der Lernendenperspektive nahmen 24 Schüler*innen mit elf unterschiedlichen Erstsprachvariationen (mono- sowie bilingual) an der Untersuchung teil. Die Vorstellungen wurden mittels leitfadengestützter Interviews erhoben und durch eine Kombination aus Qualitativer Inhaltsanalyse und systematischer Metaphernanalyse ausgewertet. Es fand zudem ein Vergleich beim Thema Immunreaktion bei einer Grippe mit den Vorstellungen von Lehrkräften (n = 5) statt. Im Vergleich zu bisher dokumentierten Vorstellungen und verwendeten Metaphern ergab sich eine deutlich größere Vielfalt als in vorherigen Studien. Hinsichtlich der Vorstellungen wird vermutet, dass Einflüsse wie epochalprägende Ereignisse (z. B. die COVID-19-Pandemie), soziale Medien sowie kulturelle und religiöse Aspekte zu dieser Vielfalt beitragen. So wurde beispielsweise der Prozess der Laubzersetzung als Folge des Klimawandels oder ein gutes Verhalten anderen Menschen gegenüber als wegweisend für Gesundheit bei den Schüler*innen als Vorstellungen herausgearbeitet. Hinsichtlich der Metaphernverwendung konnten zwar eine entsprechende Individualität, jedoch keine Hinweise für eine Abhängigkeit von der jeweiligen Erstsprache der Schüler*innen herausgearbeitet werden. Ein Einfluss durch die Lehrkräfte konnte nur an einem Beispiel gezeigt werden. Durch die Ergebnisse ergibt sich der Bedarf der Diskussion des etablierten Vorgehens des MDR, da die Vorstellungen für die Erarbeitung von Lernangeboten zu häufig vorkommenden 2 Vorstellungen stets individuelle Perspektiven exkludieren würde. Dieser Herausforderung könnte durch die Gestaltung eines Lernangebots, welches auf einem kommunikativen Perspektivwechsel beruht, begegnet werden. Ein solches Angebot sollte in weiterführenden Studien im Kontext sprachlich-kultureller Diversität entwickelt und pilotiert werden. Darüber hinaus bedarf es Forschung dazu, inwiefern sich die vorliegenden Erkenntnisse auch für weitere Themen ergeben.

Students’ conceptions are considered a starting point for subject-specific learning, as such learning is understood – according to moderate constructivism and conceptual change theory – as an active process in which students construct scientific concepts by connecting them to prior experiences. In this context, metaphors play a crucial role. According to the theory of experiencebased understanding, embodied experiences are transferred to previously unknown or abstract phenomena to make them (more) comprehensible. This process is inherently influenced by individual experiences and the linguistic-cultural dependency of metaphors. To date, research on student conceptions in German-speaking contexts has primarily focused on content-related learning at a general level for students likely as a homogeneous group. Dimensions of diversity among students have not been adequately addressed. This dissertation addresses this research gap by examining, within the framework of the Model of Educational Reconstruction (MER), the conceptions and embedded metaphors of comprehensive school students with different first languages regarding the topics of leaf decomposition and immune response to influenza. For the clarification of scientific content, conceptions from two academic textbooks and four university lecturers were analysed. Regarding the learners’ perspective, 24 students with eleven different first language backgrounds (monolingual and bilingual) participated in the study. Their conceptions were collected through semi-structured interviews and analysed using a combination of qualitative content analysis and systematic metaphor analysis. Additionally, for the topic of immune response to influenza, student conceptions were compared to those of their teachers (N = 5). Compared to the results of previous studies, this study revealed a previously undocumented diversity of conceptions and metaphors. This diversity is presumed to be influenced by factors such as epoch-defining events (e.g., COVID-19 pandemic), social media, and cultural or religious aspects. For instance, students described the process of decomposition of leaves as a consequence of climate change, or associated good interpersonal behaviour as a pathway to maintaining health. Regarding metaphor use, a high degree of individuality was identified, with no clear evidence of linguistic dependency. Teacher influence was observed in only one specific instance. These findings highlight the need to re-evaluate the established MER approach, as focusing solely on frequently occurring conceptions may exclude individual perspectives in the development of learning materials. This challenge could be addressed through the design of learning opportunities based on communicative perspective-taking. Such an approach should be developed and piloted in future studies within the context of linguistic and cultural diversity. Further research is also needed to determine whether the findings apply to additional subject areas.

Keywords

Schüler*innenvorstellung; Metapher; Sprache; Diversität; Immunreaktion; Laubzersetzung; Biologieunterricht; Lernen

Grantor

Leuphana University Lüneburg

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153 :: Kognitive Prozesse, Intelligenz
370 :: Bildung und Erziehung

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