Master ThesisFirst publicationDOI: 10.48548/pubdata-3654

Pädagogische Professionalität im Kontext von Rassismus

Perspektiven von Berufsschullehrkräften in sozialpädagogischen Ausbildungsgängen

Chronological data

Date of first publication2026-05-20
Date of publication in PubData 2026-05-20
Date of thesis submission2026-02-24

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German

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Abstract

Obwohl Rassismus als gesellschaftliches Strukturprinzip in pädagogischen Handlungsfeldern empirisch gut belegt ist, existieren bislang nur wenige qualitative Studien, die sich explizit mit den Rassismus- und Professionalitätsverständnissen von Lehrkräften in der berufsschulischen Erzieher:innenausbildung befassen. Die vorliegende Masterarbeit schließt an diese Forschungslücke an und untersucht, welches Verständnis von Rassismus und pädagogischer Professionalität im Umgang mit Rassismus in den Perspektiven von Lehrkräften an berufsbildenden Schulen in sozialpädagogischen Ausbildungsgängen rekonstruiert werden kann. Die Arbeit folgt einem qualitativ-explorativen Forschungsdesign. Auf der Grundlage der Rassismustheorien von Miles, Terkessidis sowie Melter und Mecheril werden zunächst zentrale rassismustheoretische Konzepte – Rassismus als Ideologie, als Prozess und als strukturelles Ordnungsprinzip – erarbeitet. Daran anschließend werden rassismuskritische Professionalisierungsansätze für Lehrpersonen und pädagogische Fachkräfte in der beruflichen Bildung diskutiert und der einschlägige Forschungsstand aufgearbeitet. Die empirische Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Expert:inneninterviews mit sechs Lehrkräften an berufsbildenden Schulen in sozialpädagogischen Ausbildungsgängen. Die Auswertung orientierte sich an der Grounded-Theory-Methodologie und umfasste offene sowie axiale Kodierprozesse, die in personenspezifischen Fallbeschreibungen mündeten und durch fallübergreifende Vergleiche verdichtet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich kein einheitliches Rassismusverständnis unter den befragten Lehrkräften rekonstruieren lässt. Rassismus wird entweder vorrangig als individuelles Fehlverhalten, als gesellschaftlich-strukturelles Ordnungsprinzip oder in einer ambivalenten Mischform aus beiden Deutungsrahmen konstruiert. Noch stärker ausgeprägt ist die Heterogenität der Professionalitätsverständnisse: Pädagogische Professionalität im Umgang mit Rassismus wird von den Lehrkräften entweder als haltungsbasierte Wertschätzung und Offenheit, als interkulturell-integrative Vermittlungsaufgabe oder als wissens- und reflexionsbasierte Handlungskompetenz gefasst. Dabei zeigt sich, dass in jenen Perspektiven, die Rassismus primär individualisierend deuten, rassismustheoretisches Fachwissen nicht explizit als Bestandteil professioneller Kompetenz ausgewiesen wird. Demgegenüber lässt sich in den Perspektiven der Lehrkräfte, die Rassismus strukturell verorten, ein Professionalitätsverständnis rekonstruieren, das an rassismuskritischen Professionalisierungskonzepten anschlussfähig ist. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass rassismuskritische Bildungsarbeit in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte systematisch ausgebaut werden muss. Dies betrifft sowohl die curriculare Verankerung rassismustheoretischer Inhalte in Lehrplänen als auch die gezielte Fort- und Weiterbildung bereits im Berufsfeld tätiger Lehrkräfte. Als explorative Studie mit begrenzter Fallzahl beansprucht die Arbeit keine Generalisierbarkeit; sie benennt jedoch weiterführenden Forschungsbedarf, insbesondere durch quantitative Studien mit größeren Stichproben sowie ethnografische Ansätze in Form von Unterrichtsbeobachtungen.

Keywords

Rassismus; Rassismuskritische Professionalisierung; Berufsschullehrkräfte; Sozialpädagogik; Erzieher:innenausbildung; Qualitative Sozialforschung; Grounded Theory

Grantor

Leuphana University Lüneburg

Study programme

Lehramt an berufsbildenden Schulen Sozialpädagogik

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