Individualpädagogik als ressourcenorientierte und traumasensible Jugendhilfe
Kompetenzanforderungen an die Fachkräfte
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Chronological data
Date of first publication2024-06-04
Date of publication in PubData 2024-06-04
Date of defense2023-08-25
Language of the resource
German
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Abstract
Die vorliegende Dissertation untersucht individualpädagogische Maßnahmen als ressourcenorientierte und traumasensible Jugendhilfe für hochbelastete und traumatisierte junge Menschen. Trotz eines differenzierten Jugendhilfeangebots durch das achte Sozialgesetzbuch werden diese Kinder und Jugendlichen oftmals nicht erreicht und als „Systemsprenger“ oder „Verweigerer“ stigmatisiert, da ihr Verhalten selten als Folge prekärer Lebenslagen und Gewalt erkannt wird. Individualpädagogische Ansätze, die auf partizipativen und ressourcenorientierten Prinzipien basieren, bieten gemäß vorangegangener Studien wirksamere Alternativen zu traditionellen Heimerziehungen. Sie umfassen Eins-zu-eins-Betreuungen, deren Spektrum von erlebnispädagogischen Reiseprojekten bis zu familienanalogen Unterbringungen in interessanten Lebenswelten reichen. Eine zentrale Komponente ist die maßgeschneiderte Betreuung, die verlässliche Hilfebeziehungen ermöglicht und die Selbstwirksamkeit der Jugendlichen fördert. In einer Mixed-Methods-Forschung wurden schwerpunktmäßig qualitative Expert:inneninterviews geführt, die von teilnehmender Beobachtung, einer Dokumentenanalyse und einen Begleitfragebogen gerahmt wurden. Sie Studie zielte darauf ab, die Perspektive von Expert:innen zu erfassen. Neben Handlungskonzepten stehen die Gelingensbedingungen für die vorab nachgewiesenen Erfolge individualpädagogischer Jugendhilfe im Fokus, die Kompetenzanforderungen der Expert:innen an die Fachkräfte und ihre Anforderungen an die Ausbildung für dieses Arbeitsfeld. Traumafolgen in der Kinder- und Jugendhilfe – so die Prämisse der vorliegenden empirischen Studie – sind im Kontext lebensweltlicher Erfahrungen zu verstehen und nicht als psychische Störung einzuordnen. Traumabewältigung erfordert aus kritisch- interaktionistischer, lebensweltorientierter Perspektive die Gestaltung traumasensibler Lebenswelten als „sicherere Orte“ für Kinder und Jugendliche im Kontext der Jugendhilfe anstelle einer Aufnahme in Heimkontexte. Die Studie identifiziert selbstgewählte, interessenbasierte Betreuungssettings als zentral für die Förderung von Partizipation und die Überwindung traumatischer Erfahrungen. Zudem zeigt sie die Bedeutung einer gewaltfreien Umgebung, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen abgestimmt ist und Selbstwirksamkeit fördert. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines politischen und gesellschaftlichen Inklusionswillens zur praktischen Umsetzung von Menschen- und Kinderrechten in der Jugendhilfe. Empfohlen wird eine stärkere Internationalisierung der Jugendhilfe sowie interdisziplinäre Kooperationen zwischen Jugendhilfe, Bildungs- und Gesundheitswesen zur Unterstützung der Traumabewältigung. Fachkräfte müssen über hohe Selbst- und Sozialkompetenzen sowie praktische Fertigkeiten verfügen, um eine stabile und wertschätzende Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen und diese professionell zu reflektieren. Die Dissertation unterstreicht die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Unterstützung, die Bildung und Betreuung kombiniert, um die gesellschaftliche Teilhabe der Jugendlichen langfristig zu sichern. Die Ergebnisse bieten Orientierungspunkte für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe, geben Empfehlungen für die Qualitätsentwicklung von Jugendhilfeträgern und die Ausbildung von Fachkräften, um den spezifischen Anforderungen dieses anspruchsvollen Arbeitsfeldes gerecht zu werden.
Keywords
Trauma; Traumatheorie; Traumapädagogik; Traumabewältigung; Ressourcenorientierung; Inklusion; Jugendhilfe; Individualpädagogik; Lebensweltorientierung; Systemsprenger
Grantor
Leuphana University Lüneburg
Study programme
Faculty / department
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DDC
610 :: Medizin und Gesundheit
150 :: Psychologie
150 :: Psychologie
Creation Context
Research