aber diese zielstrebige fähigkeit der autorin ist auch das problem des buches irgendwann stellt sich bei der lektüre gleichgültigkeit ein denn die wahrheit kann auch langweilig sein xavière gauthiers buch ist eine feministische umwertung der surrealistischen mythologie in eine patriarchalische typologie diese methode ist im sinne eines resultats sicher sehr überzeugend und ertragreich dennoch wo das ästhetische bild wie hier unmittelbar zum beweisstück zum dokument gemacht wird hat es zwar seine unwahrheit zu erkennen gegeben es hat aber auch leben farbe es hat seine mehrdeutigkeit verloren dieses dilemma unvermeidbar und notwendig vielleicht kann nicht kommentarlos übergangen werden der neue weibliche durchblick hat auch zu neuen anderen widersprüchen geführt nicht zu einfachen neuen wahrheiten zwar sind die surrealistischen poesien gezeichnet von den reduktionen des männlichen verstandes aber sie weisen auch eine freiheit des ästhetischen auf die überhaupt in bildern faßte was das weibliche unter den verhältnissen der moderne sein kann die konzeption des weiblichen als natur und eros ließ den körper etwas anderes sein als ein brauchbares arbeitsinstrument die hand die genuß bereitet war zur herstellung des bürgerlichen fortschritts nicht geeignet diese diffuse enthistorisierung des weiblichen würde jeden soziologen oder anthropologen zu recht seinen wissenschaftlichen ruf kosten die surrealistischen entwürfe haben sich eine freiheit genommen der gegenüber die argumente der reinen kritik aber tendenziell den charakter der zensur haben denn kurioserweise ist die frau die zur gladiole gemacht wird auch heute wieder unerwartet ein bild des widerspruchs zum beispiel gegen die in der neuen frauenbewegung geltenden ethisch-protestantischen projektionen der weiblichkeit lieber gladiole sein als eine durch hausfrauenlohn zur gleichberechtigung aufgestiegene heimbüglerin