ar96 deutung nach piranesi piranesis theorie von der bildung des monte cenci durch den verfall des teatro di balbo war von der archäologischen forschung des frühen 19 jahrhunderts aufgegriffen worden und in der folge wurde an der lokalisierung bis 1960 ohne einschränkung festgehalten auch von christian hülsen der 1907 die überreste an der via s maria de calderari ar 95 nicht mehr als die zum theater gehörige crypta balbi sehen wollte dabei mußte er allerdings die bis dahin hypostasierte ausrichtung des baus mit der scenae frons im nordosten korrigieren die stätte des theaters bezeichnet der trümmerhügel des monte dei cenci reste welche piranesi in einem keller bei s tommaso dei cenci constatiren konnte gehörten zum unterbau der sitzreihen ihre rundung liegt so dass die sehne des halbkreises somit das bühnengebäude entweder an der ost oder an der südseite gesucht werden muss man hat bisher meist das erstere angenommen namentlich wegen des supponirten zusammenhanges mit dem gebäude in der via dei caccabari dagegen spricht aber erstens dass das theater dann sehr gross dem marcellustheater fast gleich wird zweitens collidirt dann die cavea des theaters mit den in via arenula gefundenen ganz verschiedenartigen resten drittens ist mit dieser annahme unvereinbar das fragment 29 der forma urbis daraus folgt dann dass auch die scena an der südseite richtig müßte es heißen südostseite des monte gelegen und die cavea einen durchmesser von etwa 70 m gehabt hat zum schmucke des gebäudes gehörten vielleicht manche in der nähe gefundenen kunstwerke wie die dioskuren auf dem kapitolsplatz zum gleichen befund kam 1940 ohne jedoch hülsen zu erwähnen giuseppe marchetti longhi in einem aufsehenerregenden vortrag den er am 1 juli 1960 gehalten hatte und der im gleichen monat in der zeitschrift capitolium erschienen war hatte guglielmo gatti die vorstellungen die bis dahin über die topographie des südlichen teils der neunten augusteischen region circus flaminius bestanden hatten auf den kopf gestellt dorthin wo man seit pirro ligorio praktisch unangefochten den circus flaminius gesehen hatte das heißt in den bereich der heute durch die via und die piazza paganica w die via delle botteghe oscure n die via dei polacchi o sowie die via dei delfini und die via dei funari s abgesteckt wird setzte er das theatrum und die crypta balbi und dem circus flaminius wies er den dadurch frei gewordenen platz zwischen marcellustheater und palazzo cenci zu auf piranesis ar 96 und auf die orientierung die marchetti longhi dem vermeintlichen teatro di balbo gegeben hatte sich beziehend schrieb er il piranesi avrebbe visto un cuneo che attribuì al teatro di balbo in una osteria fra le case dei cenci e il tevere se la notizia è esatta si potrebbe pensare ad un avanzo della parte curva del circo e le considerazioni su questo avanzo fatte dal marchetti longhi collegate con le osservazioni sull andamento delle strutture del palazzo cenci lo indussero infatti a ritenere la cavea del teatro di balbo ed ora potremmo pensare alla parte curva del circo flaminio aperto verso oriente gattis revolutionäre vorschläge hatten sofort breite zustimmung gefunden in der person von giuseppe marchetti longhi der 1940 einen ausführlichen artikel zum vermeintlichen teatro di balbo geschrieben hatte allerdings auch einen erbitterten gegner auf den plan gerufen besonders vehement ging marchetti longhi gegen die von filippo coarelli vorgebrachte these vor daß die kurve des circus flaminius nicht beim palazzo cenci sondern gegen das theatrum marcelli hin gelegen habe die durch gatti vorgenommene neuordnung immer noch als bloße möglichkeit nicht als gesichertes faktum hinnehmend räumte er 1970 ein daß es sich bei ar 96 um die kurve des circus flaminius handeln könnte diese seine konzession hat sich in der zwischenzeit allerdings dadurch erledigt daß heute weitgehend übereinstimmung zu herrschen scheint in der annahme daß der circus flaminius nicht ein circus im üblichen sinn gewesen sei sondern ein weiter offener platz einen ganz neuen vorschlag für ar 96 machte 1974 timothy p wiseman auf eine stelle in strabons geographica hinweisend in der bei der beschreibung der prata flaminia auch von einem amphitheater die rede ist hatte schon marchetti longhi ganz nebenbei die frage gestellt welcher bau damit gemeint sein könnte und ob nicht piranesis überreste ihm zugeordnet werden könnten wisemans antwort auf dieser frage lautete das amphitheatrum statilii tauri das piranesi seinerseits unter dem palazzo montecitorio verortet hatte ar 74 diese ausschließlich mit literarischen quellen operierende argumentation des altphilologen wiseman wurde erschüttert als im mai 1983 bei grabungen auf dem gelände der kaserne lamarmora an der via anicia in trastevere das in 17 stücke zerbrochene fragment eines marmornen stadtplans gefunden wurde das den detaillierten grundriß eines kastor und pollux-tempels samt umliegenden magazingebäuden zeigt und das durch den vergleich mit der entsprechenden partie der severischen forma urbis marmorea einwandfrei dem bereich zugeordnet werden kann in dem piranesi die überreste ar 96 gesehen hatte dadurch wurde die aus literarischen quellen bekannte und im jahr 1561 durch den fund der anschließend auf das kapitol gebrachten dioskurenstatuen weiter bestätigte lokalisierung eines den dioskuren geweihten tempels in circo flaminio definitiv gesichert in der durch die ausgräberin marisa conticello de spagnolis vorgenommenen plazierung des marmorplan-bruchstücks wurde dann der römische tempel mit der heutigen kirche s tommaso de cenci nr 751 im plan von nolli so punktgenau zur deckung gebracht daß die heutige kirche genau dem pronaos des tempels entsprechen würde und damit eine direkte substitution des heidnischen durch das christliche heiligtum vorläge die von ihr untersuchten mauern in den kellern von s tommaso interpretierte sie denn auch als tragende wände des tempels die als fundament für die kirche übernommen worden wären damit war die annahme daß es sich bei ar 96 um überreste des amphitheatrum statilii tauri gehandelt habe zumindest höchst unwahrscheinlich geworden der deutung der mauern unter als s tommaso de cenci als zum dioskurentempel gehörig hat jedoch in der folge insbesondere pier luigi tucci widersprochen schon ferdinando castagnoli hatte die von marisa conticello de spagnolis vorgenommene positionierung des von ihr entdeckten planfragments angezweifelt und eine verschiebung um 20-30 meter nach osten vorgeschlagen für eine noch weitergehende korrektur so daß der tempel dort zu suchen wäre wo zu beginn des 20 jahrhunderts die vier villini am lungotevere de cenci zwischen via del progresso und via del tempio gebaut worden waren und wo sich früher die sogenannten cinque scole ebraiche befunden hatten nr 1030 im plan von nolli plädierte dann tucci mit der konsequenz daß seiner meinung nach die these der korrespondenz von amphitheatrum statilii tauri und palazzo cenci wieder in erwägung gezogen werden konnte diese vermutung wurde bestätigt durch grabungen die wenig später im bereich der piazza delle cinque scole vorgenommen wurden und die tatsächlich reste des zwischen 173 und 46 v chr entstandenen tempels zutage förderten die aus der zeit um 100 n chr stammenden römischen reste unter s tommaso de cenci interpretierte tucci nach einer von ihm vorgenommen untersuchung als jenen strutture commerciali del campo marzio zugehörig die sich in dieser gegend am linken tiberufer entlangzogen konkret habe es sich bei den mauern unter s tommaso um teile eines lagergebäudes gehandelt eine besondere pointe besteht darin daß tucci als eine mögliche erklärung für die entstehung des monte cenci der früher auf den verfall eines der prachtvollen römischen theater zurückgeführt worden war die ablagerung von abfall in erwägung zieht wenn er schreibt quindi l altura del monte dei cenci perceptibile soprattutto sull omonima piazzetta dovrebbe essere un rilievo artificiale formatosi sui resti dei vari magazzini commerciali disposti lungo il fiume o sui loro scarichi come un piccolo monte dei cocci testaccio vgl auch ar 74