ar74 deutung nach piranesi ar74 interpretation after piranesi piranesis theorie wurde von einigen wichtigen topographen des 19 jahrhunderts übernommen so erscheint der monte citorio als ort des amphitheatrum statilii tauri in den plänen von antonio de romanis antonio nibby 1826 und von luigi rossini 1829 und ludwig urlichs hält 1842 für sicher nachdem es die älteren topographen mit dem amphitheatrum castrense verwechselt hatten fand piranesi ant rom t i p 10 seine lage auf schon fontana nämlich welcher zugegen war als man den grund zu der curia innocenziana auf monte citorio legte hatte nachgewiesen discorso sopra l antico monte citorio n 33 daß dieser hügel ein künstlicher ist entstanden aus aufgehäuftem schutt daß der alte boden der basis von marcus aurelius säule gleich stand und 45 palm tief einige wasserabzüge mit vortrefflichen ziegelplatten gedeckt gefunden welche auf ein großes gebäude schließen ließen piranesi fand dazu deutliche anzeichen von halbrundgehenden sitzreihen und einzelne wohl erhalten im garten der väter der mission 80 palm unter dem jetzigen boden andere 100 palm tief unter monte citorio bei dem baue des palastes dessen rundliche façade auf den alten mauern steht diese spuren ließen auf ein amphitheater schließen und mit recht hielt er es für das werk des statilius taurus andere haben es nach monte giordano versetzen wollen das allerdings auch aus schutt besteht zu diesen anderen gehört luigi canina 1842 1850 der die versetzung vornahm weil er den monte citorio für den östlichen halbkreisförmigen abschluß einer in westlicher richtung bis zur kirche s agostino reichenden rennbahn der sogenannten equirie in anspruch nahm alle diese thesen als unbegündete spekulationen zurückweisend schrieb dagegen wilhelm adolph becker 1843 mir scheint es überhaupt thörig jetzt noch spuren des amphitheaters finden zu wollen da es wahrscheinlich schon in der zweiten hälfte des ersten jahrhunderts gar nicht mehr vorhanden war und wir müssen vielmehr bekennen daß wir von seiner lage nichts wissen als daß es im marsfeld war die entscheidenden funde aus denen die bis heute gültigen erkenntnisse über das aussehen der gegend in der kaiserzeitlichen antike schließlich gewonnen wurden waren zwar bereits zu beginn des 18 jahrhunderts gemacht aber erst ende des 19 jahrhunderts veröffentlicht worden als man daran ging die columna antonini pii auszugraben war neben anderen fachleuten auch francesco bianchini einer der universalsten gelehrten seiner zeit beigezogen worden aufgrund der von ihm beobachteten funde verfaßte bianchini ein manuskript mit dem titel de clivo citorio sive aggere campi martii et de columnis veterum memorabilibus libri duo in priori agitur de aggere seu tumulo clivo campi martii quem vulgo citorium appellant de ustrino caesarum ac de columna antonini cognomento pii inde nuper extracta das werk ist nie erschienen christian hülsen hat das manuskript in den achtziger jahren des 19 jahrhunderts in der biblioteca capitolare von verona codex 356 entdeckt und 1889 auszüge daraus publiziert bianchini interpretierte die von ihm im bereich der heutigen via degli uffici del vicario entdeckten auf dem gleichen niveau wie die columna antonini pii liegenden und axial auf sie ausgerichteten überreste als ustrinum antoniorum d h als architektonisch gefaßten einäscherungsplatz der antoniner hülsen hat dieser deutung vorsichtig zugestimmt lanciani hat sie in seiner forma urbis romae nach hülsens umzeichnung von bianchinis skizzen als ustrinum antoninorum festgehalten und damit definitiv in die vorstellung der archäologen eingeschrieben vielleicht auch die wahrnehmung bei den späteren funden gesteuert als zwischen 1907 und 1910 im zusammenhang mit dem neubau des parlamentsgebäudes wieder gegraben wurde wurde dort jedenfalls eine zweite vergleichbare struktur ausgemacht die von bianchini entdeckten reste wurden nun nach einem vorschlag von lanciani als diejenigen des ustrinum antonini pii et faustinae die neu gefundenen als diejenigen des ustrinum m aurelii antonini genauer benannt wenn es im neuesten lexikonartikel heißt bianchini habe das von ihm entdeckte monument erroneamente als ustrinum bezeichnet dann handelt es sich dabei nur um eine frage der terminologie im kern geht es wenn nun statt dessen von der ara consecrationis antinini pii die rede ist um das gleiche tatsächlich werden die arae consecrationis im untergrund des monte citorio heute als der bedeutendste komplex dieser art angesehen die mögliche existenz einer dritten ara consecrationis wurde von der archäologischen forschung allerdings erst 1984 wahrgenommen schon lange zuvor hatte roberto paribeni bemerkt daß nicht alle funde der jahre 1907 bis 1910 zu einem einzigen bau gehören könnten die teile eines monumentalen konkav geschwungenen gebälks schrieb er deshalb eínem laut historia augusta vita hadriani 9 von trajan 98-117 im marsfeld gebauten und bereits von hadrian 117-138 wieder zerstörten theater zu in den offiziellen führern des museo nazionale romano war in der folge von einem weiter nicht bestimmten grande edificio a fronte parzialmente curvilinea die rede eben solche teile könnte nun bereits piranesi gesehen und als avanzi di alcuni sedili circolari des amphitheatrum statilii taruri interpretiert haben als carlo buzetti dann 1984 einen aus dem jahr 1910-11 stammenden plan fand in dem ein drittes ustrinum mit einer teilweise leicht konkav geschwungenen umfassungsmauer eingezeichnet war wurden diese gebälkstücke natürlich für diese hypothetisch als ustrinum des lucius verus gest 169 oder der faustina minor gattin von marc aurel gest 175 bezeichnete struktur reklamiert in dem ein jahr später erschienen katalog des museo nazionale romano geht alberto danti auf diese zuschreibung jedoch nicht ein und schlägt statt dessen die mögliche zugehörigkeit zu einem grandioso ninfeo vor mit der datierung des gebälks will er über die mitte des 2 jahrhunderts nicht hinausgehen die lokalisierung des amphitheatrum statilii tauri ist nachdem auch der vorschlag es unter dem palazzo cenci zu suchen als sehr problematisch angesehen werden muß siehe dazu ar 96 heute weiter völlig ungewiß was die tatsächliche entstehung der collina des monte citorio betrifft hatte rodolfo lanciani schon in einem 1907 gehaltenen vortrag postuliert daß sie gänzlich aus materiale anforaio degli ultimi anni dell impero bestünde also ein weiterer kleiner monte testaccio ar 96 english translation to come